Elberfeld-West Sakralbauten 1918 - 1926 Arno Fritsche

Evangelische Hauptkirche Sonnborn

Die Sonnborner Kirche wurde nach Plänen, die der Architekt Arno Fritsche 1913 entwarf, erst Mitte der 1920er Jahre fertiggestellt. Sie liegt am Fuß eines Höhenrückens, der sich zwischen Sonnborn und der Wupper erhebt und markiert den Eingang zum Stadtteil. Dieser Lage entsprechend hat Fritsche der Kirche einen burgartigen Charakter gegeben und die architektonischen Formen in monumentaler Geste übersteigert. Die in Naturstein ausgeführte Kirche besitzt einen breiten, seitlich gestellten Kirchturm mit breitem Strebepfeiler und einer Drillingsarkade unterhalb des mit Maßwerk verzierten oberen Abschlusses. Ein ursprünglich vorgesehenes Dach wurde nicht realisiert, so dass der Turm mit seinen wenigen Detailformen den Eindruck einer romanischen Festungsanlage vermittelt. Das Kirchenschiff ist ebenfalls in Naturstein gemauert und besitzt ein Satteldach mit geschweiftem und verschiefertem Giebel. In ähnlichen Formen ist das niedrige Querhaus ausgebildet, in dem sich der Eingang zur Kirche befindet. An der Stirnseite des Gebäudes befindet sich ein leicht gebogener Erker, der in den Detailformen Jugendstilelemente zeigt. Hinter ihm liegt der ellipsoide Eingangssaal, der zum Kirchenraum führt. Die von Fritsche entworfene Kirche ist der Architektur von Wilhelm Kreis verwandt und erinnert mit ihrer formalen Sprache an die national gesinnten Architekturen der Jahrhundertwende. jb

Im Jahre 2006 wurde die Kirche zu einer Familienkirche umgebaut:

Der kleine multifunktionale Raum - Spielbereich für Kinder während des Gottesdienstes, Gemeindecafe, Treffpunkt - inmitten des Kirchenraumes, dem Herzens der Gemeinde, stellt eine sehr authentische Funktionsidee dar. Die bescheidene Grundhaltung des Konzeptes entfaltet trotz des kleinen Maßstabs eine beeindruckende Signifikanz und bildet so eine selbstverständliche Einheit mit dem historischen Kirchenraum.

Der besinnliche Charakter des Raumes, der gleichsam als Lichtraum eine offene Fuge unter der Empore aufspannt, vermag die Wirkung des Kirchenraumes zu steigern. Die Raumhelligkeit ist individuell steuerbar, der akustische Schutz von innen nach außen gesichert, aber umgekehrt die akustische Partizipation am Geschehen im Kirchenraum möglich. Die einfachen, selbst entwickelten und demontablen Möbel unterstützen die archaische Atmosphäre des Raumes. Das Projekt zeichnet sich durch konsequente Reduktion der Materialien auf Estrich, Holz und Glas aus. Die Worte des einleitenden Satzes des Johannesevangeliums bilden eine zurückhaltende, gleichsam poetische Kulisse auf den rahmenlos gesetzten Glaswänden. Die Jury prämiert dieses bescheidene und behutsame Projekt als sensible Setzung im historischen Kontext.

Auszeichnung guter Bauten 2007: Auszeichnung (aus Begründung der Jury)

© Fotos: Ev. Hauptkirche Sonnborn / Sigurd Steinprinz 2007 ·

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